Unvergessen

Krebsblogger wie Sabrina und Benni haben Großes geschaffen in den Jahren in denen sie gegen den Krebs gekämpft haben. Für unser Team und viele viele andere bleibt dies und wie sie als Menschen waren unvergessen. Voller Respekt verneigen wir uns vor dem, was sie in der Krebswelt bewegt haben. So sind über die Jahre innige Verbindungen und tiefe Freundschaften entstanden – und doch mussten wir sie gehen lassen. Aber in unseren Herzen sind sie tief verankert. 



Sabrina *29.01.1985 †11.07.2019

Das erste Mal traf ich Sabrina im Februar 2018. Ich besuchte sie in der Kölner Uniklinik mit einem Polizei-Teddy-Bären. Wir beide hätten unterschiedlicher kaum sein können. Sie die bunte und ein wenig verrückte junge Frau. Ich, der eher sachliche und um Struktur bemühte Polizist.

Uns verband jedoch eine Gemeinsamkeit. Wir hatten einen gemeinsamen Feind…den Krebs. Und so lernte ich Sabrina ein wenig näher kennen. Oft tranken wir zusammen eine Tasse Kaffee in Köln-Nippes oder in der Kantine der Universitätsklinik und tauschten uns aus. Ich lernte, was eine „Supporter-Kette“ ist, auf der ich mich verewigen durfte. Was ein Evoli ist, erfuhr ich im Laufe der Zeit ebenfalls. Und auch, dass es eine Handy-App gibt, mit der man Pokémons fangen kann.

Sabrina fuhr mit mir zusammen zu einem Fotoshooting nach München zum Verein Nana – Recover your Smile, wo das hier stehende, wunderschöne Foto entstand. Gemeinsam nahmen wir an zwei Bloggerworkshops von Janssen-Cilag teil und tauschten uns mit anderen Krebs-Bloggern aus.

Im Sommer letzten Jahres wollte ich ein an Blutkrebs erkranktes Kind in der Kölner Uniklinik besuchen. Ich hatte ein wenig Angst davor, denn noch nie zuvor hatte ich ein Kind besucht, das Krebs hat. Ich wusste nicht, ob ich mit dieser Situation würde umgehen können. Hier war Sabrina es, die mir zeigte, dass ich davor keine Hemmungen zu haben bräuchte. „Kinder gehen mit einer solchen Diagnose viel leichter um, als Erwachsene es tun“, sagte sie mir. Und so nahm sie mich an die Hand und begleitete mich in die Kinderonkologie.

Gemeinsam lernten wir dort Jana kennen, die den gleichen Krebs hatte wie Sabrina. Zwischen Jana und Sabrina entwickelte sich eine besondere Beziehung. Und als Jana starb, war es Sabrina wichtig, für Jana im Himmel einen Brief zu schreiben. Sie bat mich diesen Brief auf Janas Beisetzung vorzulesen, weil sie zu diesem Zeitpunkt das Krankenhaus nicht verlassen durfte. 

Sabrina passte wirklich in kein Schubladendenken hinein. Sie trug das Herz auf ihrer Zunge. Des Öfteren musste ich schmunzeln, wenn sie wieder ihre Kraftausdrücke benutzte. So schrieb Sabrina mir 3 Tage vor ihrem Tod eine Whats App Nachricht mit den Worten: „Sehe ich Deine hässliche Visage in nächster Zeit hier wieder, oder was geht bei Dir?“ Das war ihre Art mir mitzuteilen, dass sie sich über meinen Besuch freuen würde.

Sabrina sagte was sie dachte. Sie war geradeaus und ehrlich. Sie war Blitz-Gescheit und das imponierte mir. Gespräche mit ihr wurden niemals langweilig.

Während den letzten Wochen ihres Lebens führte Sabrina einen schier unfassbaren Kampf gegen ihre Erkrankung. Sabrina wollte leben und sie litt während ihres Kampfes gegen den Krebs Höllenqualen. Ich habe Sabrina niemals jammern hören, obwohl sie hierzu allen Grund gehabt hätte. Eher fluchte sie über den Krebs und bedachte ihn mit Schimpfwörtern. Auch dieses Verhalten imponierte mir.

Am Ende, als es ihr wieder etwas besser ging, hatten wir alle die Hoffnung, dass es nun Bergauf gehen würde. Und dann, ganz plötzlich, beendete eine Komplikation ihr Leben. Zu diesem Zeitpunkt rechnete niemand damit und deswegen war es für uns Alle so unbegreiflich.

Sabrina hat alles Menschenmögliche getan um ihre schwere Erkrankung zu besiegen. Sie hat allen gezeigt mit welch riesiger Kraft und unendlichem Mut man sich einem so schweren Schicksal stellen kann. Für mich ist und bleibt sie eine Siegerin!

Dein Don



Benni Wollmershäuser *30.06.1989 †22.03.2019

Ich habe niemals in meinem Leben einen Menschen kennengelernt, der sein Schicksal mit einer solchen Stärke und Abgeklärtheit getragen und sein Leben gelebt hat, wie es Benni getan hat. 

Ich habe niemals in meinem Leben einen Menschen kennengelernt, der den Satz „mehr Humor als Tumor“ besser gelebt hat, als es Benni getan hat. 

Ich habe niemals in meinem Leben einen Menschen kennengelernt, der den Krebs als täglichen Begleiter und die damit verbundene Endlichkeit des eigenen Ichs einfach akzeptiert hat und das Beste daraus gemacht hat. 

Es war mir ein inneres Blumen pflücken dich zu treffen und zu umarmen, mit dir zu diskutieren und mich auszutauschen, hässliche Witze hin und herzuschicken und in scheiß Momenten, wenn ich sonst schon nix für dich tun konnte, zumindest für vollbusige Krankenschwestern zu beten, einfach ein Meerschweinchenfoto zu schicken oder ohne Worte mit Emojis zu zeigen, dass wir aneinander denken.

Wir wollten nie Krebs haben, niemand will Krebs haben, noch nicht mal Krebs will Krebs haben. Und trotzdem haben wir immer versucht, dem Schlechten etwas Gutes abzugewinnen. 

Vielleicht ist es einfach unsere Aufgabe, die uns in diesem Leben gestellt wurde, aufzuklären und andere vor Darmkrebs zu bewahren? Ich weiß es nicht, ich weiß dafür aber eines: Ich bin stolz, das von dir geschaffene Netzwerk der jungen Krebsgruppe weiterzutragen, weil ich weiß, wie wichtig es für dich war. Mit all deinem Engagement in der Aufklärung hast du die Welt ein großes Stück besser gemacht, Menschen ermutigt und ihnen geholfen. Und das ist das Beste, was ein Mensch in seinem Leben nur erreicht haben kann! Ich bin unheimlich stolz auf dich. 

Du hinterlässt tiefe Spuren in meinem Leben und wirst immer deinen Platz in meinem Herzen haben, egal wo du jetzt in deiner Hängematte liegst und es dir gut gehen lässt. Ich hab nur einen Wunsch: Bitte halte mit allen, die uns vorangegangen sind die Tür zum Himmel fest zu, ja?

Und irgendwann, wenn ich dann hoffentlich alt und runzelig bin, dann treffen wir uns wieder. Bis dahin sammelst du schon mal viele dreckige Witze, ich will sie dann alle hören!

Machs gut, Benni.

Deine Susanna

P.S.: Ich habe bewusst ein Farbfoto gewählt, Bennis Persönlichkeit ist alles, aber keine Abstufung von Grautönen. Genauso, wie es das Falscheste ist, wenn ich in verschiedenen Beiträgen lese, er hätte den Kampf verloren. Benni hat nichts verloren, im Gegenteil: Benni hat der Welt mit seinem Engagement viel geschenkt und gelehrt. Und genau das will ich in Erinnerung behalten.