Jenny, Kreativkopf, Brustkrebs

Diagnose: Brustkrebs mit 32 Jahren

Ich bin Jenny, 1986 in der Hochburg des Karnevals nämlich in Köln, geboren. In Köln habe ich bis jetzt immer gelebt und bin die meiste Zeit eine kölsche Frohnatur. Die Diagnose Brustkrebs (hormonell bedingt) erhielt ich am 01.10.2018 am Weltbrustkrebstag im Alter von 32 Jahren.

Es gab Momente in meinem Leben, da war mir längere Zeit nicht zum Lachen – eher zum Weinen bzw. Verzweifeln zumute und dennoch bin ich jedesmal wieder aufgestanden und habe mich durchgebissen. Sei es bei meiner damaligen Ausbildung zur (Heim-)Erzieherin, während meines Studiums im Gesundheits- und Sozialmanagement, bei meiner Umschulung zur Industriekauffrau, während des Abiturs auf dem Abendgymnasium oder, oder, oder…
Ihr merkt, Zeit zum atmen hatte ich kaum, sei es beruflich, in (Liebes-)Beziehungen oder mit mir selbst.
Im August 2018 hatte ich einen Jobwechsel und dachte:

Hey! Jetzt fängt dein Leben so richtig an, du hast Geld, Zeit und einen Job, der dir Freude bereitet!“

Jedoch kam mit einem lauten Knall etwas am 01.10.2018 in mein Leben was ich so nicht erwartet hätte. Und zwar Isidor! „Hä? denkt ihr sicherlich. Ist doch großartig, wenn man eine Beziehung zu einem Kerl hat. An sich schon, nur war der „Kerl“ ein bösartiger Tumor von 3,5 cm, Östrogen Rezeptor positiv und schnellwachsend. Isidor hatte es sich in meiner rechten Brust zu diesem Zeitpunkt gemütlich gemacht. Dieser entartete Zellhaufen bedeutete viele Untersuchungen, eine Portkatheter-OP, eine 6-monatige Chemotherapie (4 x EC und 12 x Paclitaxel), eine brusterhaltende OP mit intraoperativer Bestrahlung und zusätzlich 15 Einheiten Strahlentherapie. Von Haarverlust am Kopf bzw. am ganzen Körper sowie Gewichtszunahme durch Kortison, einem sehr schwachen Immunsystem sowie kaum Lebensqualität muss ich euch nicht erzählen. Es war zeitweise nur traurig und das Ziel mit der Akuttherapie endlich fertig zu sein, fühlte sich wie eine Ewigkeit an.
 Dennoch habe ich mehr den Kopf gehoben als hängen gelassen und über mein Schicksal bei Instagram berichtet.

Krank sein und arbeiten

Während der Bestrahlung habe ich meine Wiedereingliederung mit 3 bis zum Ende 5  Stunden arbeiten begonnen. Das Ende der Akuttherapie konnte ich in St.Peter-Ording mit der Anschlussheilbehandlung abschließen. Seit 31.07.2019 bin ich wieder Vollzeit in meinem Job zurück und versuche mich den Tücken des Alltags zu stellen. Die (mindestens 10 Jahre anhaltene) Antihormontherapie fordert mich tagtäglich mit ihren Nebenwirkungen wie Gelenkschmerzen in den Fingern, Hitzewallungen dank künstlicher Wechseljahre und Sodbrennen. Dennoch wird auch dies gewuppt. Immerhin soll Isidor bloß bleiben wo der Pfeffer wächst und wehe er hat etwas dagelassen, dann gibt es so richtig eins auf die Mütze.
 Der letzte Brustultraschall im Oktober 2019 war jedenfalls unauffällig und so soll es bitte bleiben.

Foto Jenny

Meine Motivation

Ich konnte seit meiner Diagnose von vielen Betroffenen lernen, von meinen Erfahrungen berichten und mich entlasten. Dies gab nicht nur mir Kraft und Sicherheit, sondern auch anderen das Gefühl nicht allein zu sein mit ihrer Situation (Patienten wie auch Angehörige, Freunde oder Pflegepersonal).Wenn ich nur einen Menschen helfen/unterstützen kann, zeigen wir gemeinsam dem Krebs – das er uns nicht klein macht, denn wir sind viele.

Wohlfühlen trotz Nebenwirkungen

Ich hatte die Möglichkeit, mich während meiner Akuttherapie von einer Stylistin beraten zu lassen.
In diesem Zusammenhang wurde ich stellvertretend für viele Erkrankte von Serena Goldenbaum beraten und geschminkt.
Es wurden Videos und Fotos geschossen, sodass jede/r in Ruhe die Schritte nachhalten kann.
Mein Interview und die genannten Videos sind auf der Webseite der Brustkrebszentrale zu finden.

Meine empfehlenswerten Organisationen und Projekte

Bildverweise: Impressum

Quelle: Jenny Neubürger