Checkliste Arzt-Patienten-Kommunikation

Der Patient sagt was er hat, der Arzt gibt eine Lösung vor. Oft trauten Patienten sich nicht weiteres über sich und ihre Erkrankung zu erwähnen, denn keiner wollte den Göttern in weiß zu nahe treten. Das Gespräch war beendet.
So sah früher ein Termin beim Arzt aus, doch vieles hat sich seitdem geändert. Arzt und Patient gehen aufeinander zu, lernen voneinander und können so besser und individueller auf die aktuelle Situation eingehen. Die partizipative (gemeinsame Teilhabe an der) Entscheidungsfindung bringt viele Vorteile mit sich, denn Patient und Arzt entscheiden gemeinsam über das weitere Vorgehen. Indem wir uns mitteilen unterstützen wir den Arzt/ die Ärztin die bestmögliche Therapie für uns zu erstellen. Desweiteren helfen wir auch der Medizin sich schneller weiterzuentwickeln.

Ärzte haben Erwartungen an den Patienten, um so eine individuelle angepasste Therapie erstellen zu können. Gleichzeitig haben Patienten Erwartungen an Ärzte, denn Patienten wünschen sich eine individuell angepasste Therapie, ein offenes Gespräch wo wir gehört werden und mitteilen dürfen was uns auf dem Herzen liegt. Gemeinsam wollen wir eine Lösung für das Problem finden und genau dafür haben wir diese Checkliste für Patienten entwickelt.
Im Folgenden sind Fragen aufgeführt die als Anregungen und Informationen eines Arztgesprächs helfen können.

Das Arztgespräch ist in 3 Phasen aufgeteilt:
1. Vorbereitung
2. Das eigentliche Gespräch
3. Nachbereitung

Warum sollten wir uns auf das Gespräch vorbereiten?
1. Die Zeit ist begrenzt.
2. Die Merkfähigkeit/Konzentration ist begrenzt.
3. Die jeweiligen Vorstellungen einer Therapie sind unterschiedlich.

Als Vorbereitung auf das Arztgespräch:


Auflistung von Beschwerden und Symptomen:

  • Wann und wie traten die Beschwerden und Symptome zum ersten Mal auf?

Informationen die für den Arzt wichtig sein könnten:

  • Wie ist mein allgemeiner Gesundheitszustand aktuell?
  • Welche Erkrankungen habe ich noch zu den aktuellen Beschwerden?
  • Gab es Unfälle/Operationen in meiner Vergangenheit?
  • Gibt es Medikamente die ich derzeit einnehme? (z.B. rezeptfreie oder Nahrungsergänzungsmittel)
  • Wie ist meine derzeitige Lebenssituation? Gibt es Stress oder andere aktuelle Belastungen denen ich ausgesetzt bin?

Fragen die der Patient während des Arztgesprächs stellen kann:

  • Was sind vielleicht die Ursachen meiner Erkrankung und inwieweit beeinträchtigt mich die Erkrankung abgesehen von meiner eigenen Wahrnehmung? Was sind hier evtl. noch Empfehlungen vom Arzt was ich selbst nicht bedacht habe oder nicht machen sollte?
  • Wurde meine Erkrankung durch einen Gendefekt ausgelöst und sollten sich aufgrunddessen auch meine Familienangehörigen untersuchen lassen? Wer übernimmt hier die Kosten?
  • Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
  • Wo kann ich behandelt werden?
  • Wie lange dauert die Behandlung?
  • Welche Untersuchungen sind noch nötig? z.B.: CT, MRT, PET CT, Ultraschall, Mammographie, Stanzbiopsie (Gewebeprobe)
  • Was passiert, wenn ich erst einmal nichts tue oder in keine Behandlung einwillige?
  • Welche Vorteile und Risiken haben diese Behandlungsmethoden oder das Abwarten?
  • Was sind Nebenwirkungen der Therapieansätze und wie wahrscheinlich sind diese? Gibt es Alternativen oder etwas zur Milderung der Nebenwirkungen?
  • Können andere Therapien oder Medikamente (z.B. Nahrungsergänzungsmittel, Komplementärmedizin oder rezeptfreie Medikamente) die Behandlung beeinflussen?
  • Wie erfolgreich/nicht erfolgreich ist die vorgeschlagene Therapie bei vergleichbaren Patienten? (Möchte ich diese Informationen oder auch Prognosen darüber erhalten?)

Bei Operationen:

  • Wie, wann und wo wird die Operation durchgeführt? (ambulant/stationär)
  • Wie lange muss ich im Krankenhaus bleiben?
  • Welche Vorteile und Risiken gibt es durch eine Operation? Gibt es evtl. auch andere Methoden, falls ich nicht operiert werden möchte?
  • Wie geht es nach der Operation weiter?
  • Welche weiteren oder zusätzliche Behandlungsmaßnahmen gibt es noch?
    Beispiel: Krankengymnastik, orthopädische Hilfsmittel, elektrische Nervenstimulation, Akupunktur, Änderung der Lebensgewohnheiten (Bewegung, Gewichtsreduktion)
  • Wie ist die weitere Wundversorgung? (Zuhause oder ambulant?)

Gibt es weitere Tipps vom Arzt an mich als Patient?

  • Wo finde ich gutes Infomaterial?
  • Gibt es weitere Ansprechpartner (Selbsthilfegruppen, Gleichgesinnte, Krebsgesellschaften) in der Region?
  • Gibt es sinnvolle Hausmittel oder Gesundheitstipps?
  • Gibt es etwas was ich vermeiden sollte?

Am Ende des Arztgesprächs:

  • Die Ergebnisse des aktuellen Gesprächs und die weiteren Schritte werden noch einmal zusammengefasst.
  • Wer soll noch über meine Befunde schriftlich oder telefonisch informiert werden? (weitere behandelnde Ärzte wie Hausärzte oder Gynäkologen o.ä. sowie Familienmitglieder)
  • Wann werde ich über die Ergebnisse der ausstehenden Untersuchungen informiert?
  • Werde ich kontaktiert oder soll ich mich selbst zurückmelden?
  • Abklären wie der behandelnde Arzt /Ärztin erreichbar ist bei eventuellen Rückfragen.
  • Sollten Fragen offen geblieben sein, diese nochmal abklären. Falls dafür keine Zeit mehr ist, einen neuen Termin oder ein Telefonat vereinbaren.

Die Nachbereitung des Arztgesprächs zuhause für den Patienten/Angehörige:

  • Was hat sich nach dem Arztbesuch geändert? Was ist anders als vorher?
  • Hat sich mein Medikamentenplan geändert?
  • Muss ich meinen Lebensstil ändern? (Hinterfragen von Stress, Bewegung, Ernährung)
  • Benötige ich ein Gespräch mit einer Vertrauensperson die der Thematik gewachsen ist? (Therapeut/in oder psychoonkologische Unterstützung)
  • Wie nimmt mein Umfeld die Situation auf? Wird hier eventuell auch Unterstützung benötigt?
  • Möchte ich mich mit Gleichgesinnten austauschen die in einer ähnlichen Lage sind wie ich? Inwieweit kann oder muss ich mich hier abgrenzen? Sollte ich auch im Internet danach suchen oder verschlimmert es evtl. die Situation? (Erfahre mehr zu unseren Krebsbloggern)
  • Wo möchte ich die neuen Ergebnisse notieren damit ich sie jederzeit abrufen kann? (z.B.: Ordner, Notizbuch oder im Handy)
  • Gibt es für mich oder mein Umfeld neue Fragen die im Nachhinein aufgekommen sind oder die sich neu ergeben haben? Gleich aufschreiben und zum nächsten Gespräch mitbringen. Falls es dringend ist beim behandelnden Arzt/Ärztin anrufen, eine E-Mail schreiben oder mit dem Pflegepersonal besprechen.
  • Wie ist der Arzt/ die Ärztin mit der Situation umgegangen? Verlief das Gespräch wie gewünscht und war es konstruktiv oder war es eher passiv? Bin ich eventuell unzufrieden aus dem Gespräch gegangen? Wenn ja, warum und was möchte ich beim nächsten Gespräch ändern?
  • Habe ich weitere Erwartungen oder gibt es etwas, dass mir wichtig ist bei der Therapie oder den aufgezeigten Behandlungsmethoden?

Gemeinsame Entscheidungsfindung (shared decision making /SDM)

Die gemeinsame Entscheidungsfindung bedeutet folgendes:

Gemeinsam erarbeiten der Patient/die Patientin und der Arzt/die Ärztin einen Therapieplan indem beide aufeinander zugehen und gegenseitige Wünsche und Erwartungen berücksichtigen. Diese Erarbeitung besteht aus 3 Phasen. Die Teamphase, die Optionsphase und die Entscheidungsphase. Was diese Phasen beinhalten wird hier kurz erläutert.
Teamphase:
Hier vereinbaren derArzt/ die Ärztin und der Patient/die Patientin die Zusammenarbeit: Der Arzt/ die Ärztin geht auf die verschiedenen Therapieansätze ein und zeigt die Möglichkeiten auf. Der Patient / die Patientin erläutert auf die verschiedenen Therapieansätze seine/ihre persönlichen Ziele.
Optionsphase:
Was sind die Vor- und Nachteile der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten? Gemeinsam diskutieren Arzt/Ärztin, Patient/Patientin und Angehörige und vergleichen die verschiedenen Therapieansätze und Möglichkeiten.
Entscheidungsphase:
Die beste Alternative für den Patient/ die Patientin wird gemeinsam ausgewählt.

Wie können wir ein Gespräch führen, das für beide Seiten zufriedenstellend abläuft?

Im Folgenden werden Fragetechniken und Rückmeldungen aufgezeigt, die dazu dienen, ein konstruktives Gespräch zu führen.

Die Fragetechniken gehen darauf ein, wie wir miteinander sprechen. Das Gespräch sollte im Idealfall auf Augenhöhe passieren, so dass der Patient kein medizinisches Fachwissen dafür benötigt und der Arzt genau versteht was der Patient braucht.
Anschlussfragen:
Die Aussage des Arztes/ der Ärztin wiederholen und darauf eine Rückfrage zum besseren Verständnis formulieren.
Beispiel: „Sie haben das gerade so erklärt. Habe ich das richtig verstanden?“
Motivierende Frage:
Eine Frage stellen, die die fachliche Autorität und/oder Erfahrungen des Arztes/ der Ärztin wertschätzen.
Beispiel: „Sie sind schon länger in diesem Bereich tätig. Das schätze ich sehr und fühle mich hier gut aufgehoben. Wie sind Ihre Erfahrungen der letzten Jahre?“
Neutral formulierte Fragen:
Es ist sinnvoll eine positiv formulierte Frage zu stellen anstatt mit negativer Kritik zu reagieren.
Beispiel: „Ich habe noch nicht ganz die Vorteile der aufgezeigten Therapoie verstanden. Können Sie mir bitte nochmal erklären wie die Therapie wirken soll? Es sind sehr viele Informationen gerade für mich und ich kann Ihnen nicht ganz folgen.“
Rückmeldungen:
Bitte hier zeitnah eine Rückmeldung/ ein Feedback an das behandelnde medizinische Fachpersonal geben. Dies sollte konkret und positiv formuliert sein, jedoch auch kritisch hinterfragen, um so klar zu zeigen, dass die Entscheidungen die vorab getroffen wurden evtl nicht mehr zum aktuellen Zustand passen.
Beispiel: „Ich bin mir unsicher, ob die Therapie so für mich passt. Ich habe Bedenken aus folgenden Gründen….“

Patienten, Angehörige und Ärzte haben viele Erwartungen an das Gespräch und die gemeinsame Zusammenarbeit. Welche das sind haben wir für euch aufgelistet.

Erwartungen an den Arzt/ die Ärztin:

  • Fachlich kompetent
  • Frei von Eigennutz
  • Uneingeschränkt hilfsbereit
  • Hilft jedem/jeder gleichermaßen
  • Bringt Zeit und Geduld mit
  • Erklärt verständlich
  • Untersucht gründlich
  • Stellt klare Diagnosen
  • Gute Nachsorge
  • Achtet auf die Autonomie (Selbständigkeit) des Patienten / der Patientin
  • Achtet auf Schweigepflicht
  • (*Informationen aus der Deklaration von Genf des Weltärztebundes)

Erwartung an den Patient/ die Patientin:

  • Gute Vorbereitung
  • Realistische Erwartungen
  • Strukturierte Kommunikation
  • Offenheit
  • Vertrauen
  • Compliance / gute Zusammenarbeit

Die Inhalte sind entstanden mit Unterstützung von
KISS Hamburg https://www.kiss-hh.de/
Mitten im Leben – die Frauenselbsthilfegruppe in Hamburg https://www.frauenselbsthilfe.de/gruppen/hamburg-mitten-im-leben.html
Faktencheck Gesundheit https://faktencheck-gesundheit.de/de/startseite/
Patienten Universität http://patienten-universitaet.de/node/121
Gesundheitsinformation https://www.gesundheitsinformation.de/

Zugriff 23.06.2021