Yvonne Renner *20.08.1966 †01.03.2020


Yvonne habe ich das erste Mal über ihren Instagram Account (yvonne_fuer_mannometas) wahrgenommen. Ihre Blogbeiträge waren trotz ihrer damals erneuten Erkrankung, voller Energie und Tatendrang. Ich las ihre Zeilen unglaublich gerne, da sie eine Mischung aus Humor, Sarkasmus und Authentizität ausstrahlten.

Kreatives konzeptionelles Schreiben war ihr Leben, was sag ich, es war ihre Berufung. Das Schreiben, sagte Sie einmal, hält sie am Leben, sodass sie dem fiesen Krebs zeigen wollte, dass sie noch fähig ist Wörter auf das Papier zu bringen. Sie schöpfte Kraft, wenn sie in ihrem Efeu umrankten Haus, mit ihren zwei Töchtern und ihrem Bulldog Eddie saß. Hier sprudelten die meisten ihrer Ideen aus ihr heraus.


Persönlich kennengelernt haben wir uns im November bei einem Bloggerworkshop. Sie war das erste Mal bei so einem Workshop und wir verstanden uns auf Anhieb.
Während dieses Workshops kam die Idee auf, ein Netzwerk zu erstellen, welches einen Mehrwert für alle Krebserkrankte bzw. Betroffene darstellen sollte. Yvonne war direkt Feuer und Flamme und wollte mit ihren kreativen Texten einen Teil vom großen Ganzen sein.
Im Workshop selbst ging es unter anderem um die Gestaltung für ein Bullet Journal. Dieses Thema hörte sie zum ersten Mal, doch auch hier wollte sie gerne einen Mehrwert schaffen.


Als die Pläne für Cancer Unites konkreter wurden, bot sie direkt an, den Text auf der hiesigen Internetseite mitzugestalten, gegenzulesen und zum Schluss, diese mit gutem Gewissen online geben zu können.
Sie erstellte auch federführend die ersten Postings. Ebenso kam ihr die Idee einen Thementalk zu implementieren, der von Betroffenen für Betroffene wöchentlich wechselnde Themen bespricht. Sie legte mit ihrer Unterstützung die ersten Grundsteine unseres Netzwerks, damit es wachsen kann.


Obwohl zu der Zeit (Ende Januar 2020) sehr geschwächt, besuchte mich Yvonne, an meiner Hochzeitsfeier. Es war einerseits schön sie da gehabt zu haben, andererseits erkannte ich, dass es ihr nicht gut ging.
Die Wochen bis zu ihrem Tod, habe ich sie zu Untersuchungen begleitet, besuchte sie Zuhause und kam mit ihr in einen vertrauten Kontakt.
Sie hätte gerne noch mehr Zeit gehabt. Auch ich hätte gerne noch mehr Zeit mit ihr verbracht, jedoch kam uns der Krebs in die Quere.


Liebe Yvonne, mich beruhigt es ungemein, dass du nun keine Schmerzen mehr hast. Ich bin mir sicher, dass du auf einer Wolke sitzt und auf uns alle herabblickst.
Mach es gut und ich danke dir für all deine Inspirationen.
Ich werde dich nie vergessen.


Deine Conny

Marvin Büthe *25.04.1993 †06.03.2020

Das Leben besteht aus Höhen und Tiefen. Ich weiß wo ich die letzten Jahre war und wo ich mittlerweile (wieder) bin. Der scheiß Krebs soll und wird nicht mein Leben bestimmen. Er gehört zwar mit zu meinem Leben, aber ich will zeigen, dass ich mit ihm leben kann.😊 Ansonsten hab ich einen leichten Schaden, aber ohne wäre es auch langweilig. Wie sag ich so schön: „Das ist der Behindibonus“ 😂. Bin halt ein Unikat 💎 , den die einen mögen und andere nicht. Hiermit kann ich leben, Unkraut vergeht nicht 😜. – so schrieb Marvin über sich und genau so nahm ich ihn bei unserem ersten Treffen auch wahr.

Diese Zeilen lese ich immer wieder und denke an dich. Unkraut warst du nicht. Du warst in meinen Augen ein liebevoller Mensch dem es wichtig war als Vorbild für andere zu fungieren. Ich kannte dich noch nicht lange, hatte dich aber bereits vom ersten Moment in mein Herz geschlossen. Das schrieb ich dir in unseren unendlich langen Konversationen auf WhatsApp. “Du bist süß und der ganze Rest von den Krebsis ihr seid auch wie eine Family für mich und das sind einige der wenigen Dinge die ich der Krankheit danke euch alle kennengelernt zu haben” kam von dir zurück.

Wir kannten uns nicht lange, aber wir hatten viele Gemeinsamkeiten. Unter anderem Autos, BMW natürlich. Dein heißgeliebter E46 wurde extra für dich umgebaut, so dass du ihn noch fahren konntest nach deinem Schlaganfall. Auch das erfuhr ich später von dir. Dir waren Respekt, Wertschätzung und ein liebevolles Miteinander wichtig und das sagtest du immer wieder. Fast jeden Tag hattest du uns alle in der Gruppe unterhalten, so dass wir aufgrunddessen extra eine “Labergruppe” öffneten. “CU Gelaber dies und das” nanntest du diese Gruppe.

“Tomorrowland wäre nochmal geil, aber ob wir das schaffen bis dahin?” fragtest du mich. Technomusik war eine der anderen Gemeinsamkeiten von uns beiden und wir verlinkten uns auf Facebook miteinander, wenn mal wieder ein Festival mit guter Technomusik angepriesen wurde. Und auch ich schöpfte Hoffnung und freute mich darauf mit dir zu Techno bis in die Morgenstunden zu tanzen, denn ich hatte das schon lange nicht mehr getan. Sich dabei anzusehen und sich zu freuen, dass wir es geschafft haben durch diesen ganzen Krebsmist zusammenzugehen. Selbst unsere Geburtstage waren kurz nacheinander die wir auf der MayDay hätten zusammen feiern wollen. Doch du gingst schon voran, ohne uns allen davon zu erzählen, denn du wolltest niemanden damit belasten, nicht mal deine Follower. “Alles zu seiner Zeit” sagtest du auf deinem Blog.

Mit deinem Blog und deiner Aufklärung wolltest du vielen Menschen ein Vorbild sein, ihnen Mut machen und zeigen, dass man auch mit einem Hirntumor leben kann. Mit dir zu kommunizieren war einfach witzig und so leicht.

Du bist einer der Menschen gewesen denen es wichtig war Respekt und Zusammenhalt zu leben, friedlich miteinander umzugehen, füreinander da zu sein und sich zu wertschätzen.

Auch wenn wir uns nicht lange kannten so hatte ich das Gefühl mit dir Pferde stehlen zu können, im BMW einfach davon zu düsen und von einer Party zur nächsten zu hüpfen und wir würden uns dabei kaputtlachen wie witzig das doch alles sei. Das Leben in vollen Zügen genießen und nicht über den nächsten Tag nachzudenken. In meinen Gedanken an dich wird dies auch immer so sein und ich bin mir sicher, dass wir das irgendwann nachholen werden, wenn wir uns wiedersehen.

Marvin, ich bin dankbar, dass du für einen kurzen Moment in meinem Leben ein Teil gewesen bist. Mit deinem Appel an alle sich mit gegenseitigem Respekt zu wertschätzen gingst du davon.

In Gedenken an dich möchte ich noch eine Frage an alle stellen die du mir mal gestellt hast: “Warum haben so viele Menschen Probleme damit, wenn man nicht fit genug ist? Finde es macht einen doch nicht weniger liebenswert?”

Du wirst immer ein Teil von Cancer Unites bleiben.

Danke für deine Zeit, deine Wertschätzung und deine Zuversicht. #nieohnemeinteam

Deine Su

Benni Wollmershäuser *30.06.1989 †22.03.2019

Ich habe niemals in meinem Leben einen Menschen kennengelernt, der sein Schicksal mit einer solchen Stärke und Abgeklärtheit getragen und sein Leben gelebt hat, wie es Benni getan hat. 

Ich habe niemals in meinem Leben einen Menschen kennengelernt, der den Satz „mehr Humor als Tumor“ besser gelebt hat, als es Benni getan hat. 

Ich habe niemals in meinem Leben einen Menschen kennengelernt, der den Krebs als täglichen Begleiter und die damit verbundene Endlichkeit des eigenen Ichs einfach akzeptiert hat und das Beste daraus gemacht hat. 

Es war mir ein inneres Blumen pflücken dich zu treffen und zu umarmen, mit dir zu diskutieren und mich auszutauschen, hässliche Witze hin und herzuschicken und in scheiß Momenten, wenn ich sonst schon nix für dich tun konnte, zumindest für vollbusige Krankenschwestern zu beten, einfach ein Meerschweinchenfoto zu schicken oder ohne Worte mit Emojis zu zeigen, dass wir aneinander denken.

Wir wollten nie Krebs haben, niemand will Krebs haben, noch nicht mal Krebs will Krebs haben. Und trotzdem haben wir immer versucht, dem Schlechten etwas Gutes abzugewinnen. 

Vielleicht ist es einfach unsere Aufgabe, die uns in diesem Leben gestellt wurde, aufzuklären und andere vor Darmkrebs zu bewahren? Ich weiß es nicht, ich weiß dafür aber eines: Ich bin stolz, das von dir geschaffene Netzwerk der jungen Krebsgruppe weiterzutragen, weil ich weiß, wie wichtig es für dich war. Mit all deinem Engagement in der Aufklärung hast du die Welt ein großes Stück besser gemacht, Menschen ermutigt und ihnen geholfen. Und das ist das Beste, was ein Mensch in seinem Leben nur erreicht haben kann! Ich bin unheimlich stolz auf dich. 

Du hinterlässt tiefe Spuren in meinem Leben und wirst immer deinen Platz in meinem Herzen haben, egal wo du jetzt in deiner Hängematte liegst und es dir gut gehen lässt. Ich hab nur einen Wunsch: Bitte halte mit allen, die uns vorangegangen sind die Tür zum Himmel fest zu, ja?

Und irgendwann, wenn ich dann hoffentlich alt und runzelig bin, dann treffen wir uns wieder. Bis dahin sammelst du schon mal viele dreckige Witze, ich will sie dann alle hören!

Machs gut, Benni.

Deine Susanna

P.S.: Ich habe bewusst ein Farbfoto gewählt, Bennis Persönlichkeit ist alles, aber keine Abstufung von Grautönen. Genauso, wie es das Falscheste ist, wenn ich in verschiedenen Beiträgen lese, er hätte den Kampf verloren. Benni hat nichts verloren, im Gegenteil: Benni hat der Welt mit seinem Engagement viel geschenkt und gelehrt. Und genau das will ich in Erinnerung behalten.

Sabrina *29.01.1985 †11.07.2019

Das erste Mal traf ich Sabrina im Februar 2018. Ich besuchte sie in der Kölner Uniklinik mit einem Polizei-Teddy-Bären. Wir beide hätten unterschiedlicher kaum sein können. Sie die bunte und ein wenig verrückte junge Frau. Ich, der eher sachliche und um Struktur bemühte Polizist.

Uns verband jedoch eine Gemeinsamkeit. Wir hatten einen gemeinsamen Feind…den Krebs. Und so lernte ich Sabrina ein wenig näher kennen. Oft tranken wir zusammen eine Tasse Kaffee in Köln-Nippes oder in der Kantine der Universitätsklinik und tauschten uns aus. Ich lernte, was eine „Supporter-Kette“ ist, auf der ich mich verewigen durfte. Was ein Evoli ist, erfuhr ich im Laufe der Zeit ebenfalls. Und auch, dass es eine Handy-App gibt, mit der man Pokémons fangen kann.

Sabrina fuhr mit mir zusammen zu einem Fotoshooting nach München zum Verein Nana – Recover your Smile, wo das hier stehende, wunderschöne Foto entstand. Gemeinsam nahmen wir an zwei Bloggerworkshops von Janssen-Cilag teil und tauschten uns mit anderen Krebs-Bloggern aus.

Im Sommer letzten Jahres wollte ich ein an Blutkrebs erkranktes Kind in der Kölner Uniklinik besuchen. Ich hatte ein wenig Angst davor, denn noch nie zuvor hatte ich ein Kind besucht, das Krebs hat. Ich wusste nicht, ob ich mit dieser Situation würde umgehen können. Hier war Sabrina es, die mir zeigte, dass ich davor keine Hemmungen zu haben bräuchte. „Kinder gehen mit einer solchen Diagnose viel leichter um, als Erwachsene es tun“, sagte sie mir. Und so nahm sie mich an die Hand und begleitete mich in die Kinderonkologie.

Gemeinsam lernten wir dort Jana kennen, die den gleichen Krebs hatte wie Sabrina. Zwischen Jana und Sabrina entwickelte sich eine besondere Beziehung. Und als Jana starb, war es Sabrina wichtig, für Jana im Himmel einen Brief zu schreiben. Sie bat mich diesen Brief auf Janas Beisetzung vorzulesen, weil sie zu diesem Zeitpunkt das Krankenhaus nicht verlassen durfte. 

Sabrina passte wirklich in kein Schubladendenken hinein. Sie trug das Herz auf ihrer Zunge. Des Öfteren musste ich schmunzeln, wenn sie wieder ihre Kraftausdrücke benutzte. So schrieb Sabrina mir 3 Tage vor ihrem Tod eine Whats App Nachricht mit den Worten: „Sehe ich Deine hässliche Visage in nächster Zeit hier wieder, oder was geht bei Dir?“ Das war ihre Art mir mitzuteilen, dass sie sich über meinen Besuch freuen würde.

Sabrina sagte was sie dachte. Sie war geradeaus und ehrlich. Sie war Blitz-Gescheit und das imponierte mir. Gespräche mit ihr wurden niemals langweilig.

Während den letzten Wochen ihres Lebens führte Sabrina einen schier unfassbaren Kampf gegen ihre Erkrankung. Sabrina wollte leben und sie litt während ihres Kampfes gegen den Krebs Höllenqualen. Ich habe Sabrina niemals jammern hören, obwohl sie hierzu allen Grund gehabt hätte. Eher fluchte sie über den Krebs und bedachte ihn mit Schimpfwörtern. Auch dieses Verhalten imponierte mir.

Am Ende, als es ihr wieder etwas besser ging, hatten wir alle die Hoffnung, dass es nun Bergauf gehen würde. Und dann, ganz plötzlich, beendete eine Komplikation ihr Leben. Zu diesem Zeitpunkt rechnete niemand damit und deswegen war es für uns Alle so unbegreiflich.

Sabrina hat alles Menschenmögliche getan um ihre schwere Erkrankung zu besiegen. Sie hat allen gezeigt mit welch riesiger Kraft und unendlichem Mut man sich einem so schweren Schicksal stellen kann. Für mich ist und bleibt sie eine Siegerin!

Dein Don