Alex, Flugbegleiter, Knochenkrebs

Diagnose: Knochenkrebs im Alter von 20 Jahren​

Mein Traum als Flugbegleiter

Mein Name ist Alexander Böhmer, ich arbeite als Flugbegleiter bei der Deutschen Lufthansa und lebe mit meinen Eltern in einem Vorort von Köln. Auf meinem Instagram Account Alex.boeh spreche ich über meinen Alltag nach der Diagnose Knochenkrebs und über die Amputation meines rechten Beines. Vor der Diagnose habe ich mein Leben geliebt. Ja, wirklich geliebt. Ich hatte tolle Freunde, ein wunderbares Verhältnis zu meiner Familie und ich habe mich auf jeden Arbeitstag gefreut. In meinem Job als Flugbegleiter habe ich viel von der Welt gesehen und habe das Reisen und die fremden Kulturen kennengelernt und genossen. Es gab keinen Alltag, jeder Flug war anders, jeder Arbeitstag brachte neue Überraschungen und besondere Erlebnisse mit sich. Mein Leben lang wollte ich Flugbegleiter werden und ich habe meinen Traum direkt nach der Schule erfüllt und bin abgehoben. Der Traum vom Fliegen wurde wahr.

Meine Krebserkrankung

Im Sommer 2018 sollte sich alles ändern. Ich bekam Knieschmerzen. Verdachtsdiagnose Meniskusriss. Doch das Röntgenbild zeigte eine Auffälligkeit, woraufhin weitere Untersuchungen folgten. Am 24. August hat sich mein Leben um 180 Grad gewendet. Nach einer Biopsie im Uniklinikum Münster bekam ich die Diagnose Osteoblastisches Osteosarkom, high grade. Knochenkrebs in seiner aggressivsten Form. Ich werde diesen Tag niemals vergessen, obwohl ich damals noch nicht wusste was auf mich zukommen wird. 15 stationäre Chemotherapien, 9 Operationen und viele Monate im Krankenhaus. Mein erster Gedanke damals war natürlich sofort: Krebs? Ich? In unserer Familie gibt es seit vielen Generationen keinen Krebs. Jetzt muss ich sterben. Ich hatte eine ungeheure Angst vor dem Tod und der Chemo. Die Monate waren hart und oft habe ich mir gewünscht es wäre vorbei. Am 14. August 2019 war es dann endlich soweit. Ich erhielt meine letzte Chemotherapie und gelte nun als Tumorfrei.

Der Umgang mit der Erkrankung

Nach der Diagnose konnte ich natürlich nicht mehr arbeiten gehen. Die Schmerzen in meinem Bein, die Chemotherapie und mein Körper haben dies nicht zugelassen. Meine Familie ist zusammengerückt und hat mich unterstützt wo es nur ging. Meine Freunde haben sich zum größten Teil als wahre Engel entpuppt und haben immer wenn ich es zugelassen habe, meine Hand gehalten und mich auf dem schweren Weg begleitet. Viele konnten mit der Diagnose nicht umgehen und haben sich zurückgezogen.

Unvollständig vollständig zu sein

Es war schnell klar, dass ich jetzt stark sein, durchhalten und kämpfen muss. Der Krebs hat mir meine Selbstständigkeit genommen. Die Fähigkeit selbstbestimmt zu leben. Ich konnte nicht einmal mehr Treppen steigen oder mir ein Glas Wasser holen. Dennoch, mein Lachen konnte er mir nicht nehmen. Durch die Amputation meines Beines werde ich nun für den Rest meines Lebens an meine Erkrankung und die schwere Zeit erinnert. Die Amputation gehört zu mir, genau wie der Krebs und die vielen furchtbaren Monate im Krankenhaus. Es ist ein Teil von mir, macht mich aber nicht aus. Und ich musste erst lernen das ich nun „unvollständig vollständig“ bin, auch mit nur einem Bein.